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Essays,
Notizen, Gedankensplitter
Eigenartensterben
Wenn man vor fünfzehn, zwanzig Jahren nach Portugal
reiste, erwarteten einen dort Wunder, Mysterien und Magie: eine halb
befremdliche, halb verführerische Welt voller träger
Nachmittage in
vergessenen Bergdörfern und heruntergekommenen Fischernestern, in
denen
die Sklaventrommel der industriellen Normzeit noch nicht so
unbarmherzig den Takt vorgab wie zu Hause im Norden, stille, leuchtend
barockweiße Städte voll eigensinnigem Stolz und Wehmut nach
den Zeiten
Indiens und der brasilianischen Goldminen (nicht zu reden von der
Hauptstadt, in der jede Nacht von Neuem die Naturgesetze ausgehebelt
wurden), freundliche, sanfte und angenehm un-spanische Menschen, deren
Melancholie und geheime Maßlosigkeit man ergründen und
staunend
betrachten konnte, aber niemals teilen würde.
Kehrt man heute an die einstigen Sehnsuchtsorte
zurück,
findet man ... den Heidepark Soltau. (...)
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Willkommen,
Mr. Bush!
Wenn unsere Lehrer auf dem Gymnasium mit uns in den
Medienraum gingen, um ein Video anzuschauen (was sie gerne und oft
taten, weil sie dann die Stunde nicht vorbereiten mussten), das
entsprechende Band aber aus irgendeinem Grund beschädigt oder
verloren
gegangen war, legten sie gerne als Ersatz (denn sie hatten ja nichts
vorbereitet) den einzigen in der Filmsammlung der Schule vorhandenen
Spielfilm ein: „Willkommen, Mr. Chance” von Hal Ashby. Im Jahr 1979 und
damit gerade noch vor der endgültigen Kapitulation Hollywoods vor
der
Blockbustermentalität entstanden (nähere Einzelheiten siehe
„Easy
Riders, Raging Bulls” von Peter Biskind), handelt es sich bei „Being
There”, so der Originaltitel, um eine der bösesten und
anti-amerikanischsten Satiren, die je auf dem Hoheitsgebiet der
Weltmacht Nr. 1 entstanden sind.
(...) Ich weiß nicht, ob unsere Schule vor 20
Jahren für
diese Vorführungen Tantiemen an die Verwertungsgesellschaft Film
und
Fernsehen abgeführt hat, aber vom heutigen Standpunkt aus gesehen
waren
die mit „Fernsehgucken” verbummelten Schulstunden eine weit bessere
Vorbereitung auf das politische Leben des beginnenden 21. Jahrhunderts
als alle Lektionen über das d'Hondtsche Sitzverteilungsverfahren
oder
die Funktion des Bundesverfassungsgerichts. Warum ich das glaube?
Schalten Sie Ihren Fernseher ein. Schauen Sie sich die
Auslandsnachrichten an. Mr. Chance is alive and well und der
derzeitige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika
...! (...)
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